Eine Eigenschaft, die Pop-Musik und zum Teil auch Indie maßgeblich ausmacht, ist neben der Eingängigkeit vor allem eine glatte Produktion sowie ein daraus resultierender makelloser Sound. Zumindest trifft das auf jene Künstler*innen zu, die im Radio auf und ab gespielt werden. Glücklicherweise gibt es wiederum jene, die keinen Bock auf sterile Musik haben und dieses Dogma zunehmend hinterfragen.

Und an dieser Stelle kommen Viech ins Spiel. Das Trio aus Wien scheint großen Gefallen daran zu haben, ganz bewusst Dreck in ihren Sound zu streuen. Soll heißen: Auf ihrem mittlerweile dritten Album „Heute Nacht nach Budapest“ erwarten uns wunderbar produzierte Songs, die nicht nur mit starken Texten aufwarten, sondern eine durchaus düstere Note haben. Viech sind kantig und nur bedingt eingängig, was aber die Antithese zu ihrem dennoch sanften Sound unterstreicht. Vollkommen wird die Platte aber erst durch die rauchig-tiefe Stimme ihres Sängers Paul, die stark an Leonard Cohen erinnert. Wer nun immer noch keine Vorstellung vom Sound der Wiener*innen hat, sollte die Single „Heute Nacht nach Budapest“ auf sich wirken lassen. Oder „Bartleby“, das so einigen aus der Seele sprechen dürfte.

Gäbe es bei Pop Tageszeiten, Viech wären ohne Frage tiefste Nacht. „Heute Nacht nach Budapest“ ist pure Ästhetik, deren Schönheit sich immer mehr offenbart, je öfter die Platte auf dem Teller rotiert. Selten war musikalische Kauzigkeit so mitreißend.

[Phonotron 2018]

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